Gasverbrauch für Warmwasser: Anteil erkennen und selbst messen

Wie viel Gas verbraucht Warmwasser? Richtwerte für 1 bis 4 Personen, der Anteil am Jahresverbrauch und wie du deinen echten Wert im Sommer selbst misst.

Kurz zusammengefasst

  • Warmwasser kostet je Person rund 550 bis 800 kWh Gas im Jahr, bei zwei Personen also etwa 1.100 bis 1.600 kWh.
  • Am Gaszähler sind das ungefähr 55 bis 80 Kubikmeter je Person, oder 0,2 Kubikmeter am Tag.
  • Der Anteil am Jahresverbrauch reicht von 8 Prozent im unsanierten Altbau bis zu einem Viertel im Niedrigenergiehaus.
  • Deinen echten Wert misst du im Sommer. Steht die Heizung still, geht fast alles Gas ins Warmwasser.
  • Bei 12 ct/kWh zahlt ein Zweipersonenhaushalt rund 132 bis 192 Euro im Jahr allein fürs warme Wasser.

Wer wissen will, wie viel Gas das Warmwasser frisst, findet meist nur Zahlen zum Gesamtverbrauch. Dabei lässt sich der Anteil erstaunlich genau bestimmen, sogar ohne zweiten Zähler. Als Richtwert rechne mit 550 bis 800 kWh je Person und Jahr. Für einen Zweipersonenhaushalt sind das 1.100 bis 1.600 kWh, umgerechnet etwa 110 bis 160 Kubikmeter.

Richtwerte nach Haushaltsgröße

Die folgenden Werte gelten für Warmwasser allein, ohne Heizung. Die Kubikmeter sind mit einem Brennwert von 10,5 und einer Zustandszahl von 0,95 umgerechnet, also den üblichen Werten. Deine eigenen stehen auf der Gasrechnung.

Haushalt kWh pro Jahr Kubikmeter pro Jahr Kubikmeter pro Tag
1 Person 550 bis 800 55 bis 80 0,15 bis 0,22
2 Personen 1.100 bis 1.600 110 bis 160 0,30 bis 0,44
3 Personen 1.650 bis 2.400 165 bis 240 0,45 bis 0,66
4 Personen 2.200 bis 3.200 220 bis 320 0,60 bis 0,88

Zwei Dinge kommen obendrauf, wenn sie auf dich zutreffen. Hängen Wasch- oder Spülmaschine am Warmwasseranschluss statt das Wasser selbst elektrisch zu erhitzen, kommen grob 500 kWh im Jahr dazu. Und wer regelmäßig badet statt zu duschen, liegt ebenfalls über der Tabelle.

Anders als beim Heizen zählt hier tatsächlich die Personenzahl, nicht die Wohnfläche. Ein Single in 120 Quadratmetern duscht nicht mehr als ein Single in 50 Quadratmetern. Beim Heizen ist es genau umgekehrt, dort bestimmen Fläche und Dämmung fast alles.

Die Spanne ist breit, weil die Gewohnheiten den Ausschlag geben. Eine Dusche von fünf Minuten braucht je nach Duschkopf 35 bis 60 Liter, ein Vollbad rund 120. Wer täglich badet, landet für sich allein schon über dem Wert eines sparsamen Zweipersonenhaushalts.

Wo diese Zahlen herkommen

Der Warmwasserbedarf lässt sich ausrechnen, es braucht keine Statistik dafür. Eine Kilowattstunde erwärmt 1.000 Liter Wasser um knapp ein Grad, genauer gesagt kostet ein Liter je Grad 1,163 Wattstunden.

Ein Rechenbeispiel mit 40 Litern am Tag, erwärmt von 10 auf 45 Grad, also um 35 Grad.

40 × 35 × 1,163 = 1.628 Wattstunden, also rund 1,6 kWh am Tag.

Übers Jahr sind das etwa 590 kWh. Dazu kommen die Verluste, und die sind erheblich. Ein Speicher kühlt aus, eine Zirkulationsleitung hält permanent warmes Wasser bereit, und die Therme selbst arbeitet nicht verlustfrei. Grob 30 Prozent Aufschlag sind realistisch, womit rund 770 kWh je Person zustande kommen, also das obere Ende unserer Spanne.

Daraus folgt eine Faustformel, die du im Kopf anwenden kannst. Jeder Liter warmes Wasser, den du täglich verbrauchst, kostet im Jahr rund 19 kWh Gas. Wer also 40 Liter am Tag braucht, landet bei ungefähr 760 kWh. Zehn Liter weniger am Tag sparen rund 190 kWh im Jahr.

Wie viel davon tatsächlich als Wärme im Wasser ankommt, hängt am Gerät. Ein Durchlauferhitzer erwärmt nur, wenn gezapft wird, und hat deshalb keine Speicherverluste. Ein Warmwasserspeicher hält dauerhaft Temperatur und verliert dabei, besonders wenn eine Zirkulationspumpe mitläuft. Genau hier steckt der größte Hebel zum Sparen, dazu weiter unten mehr.

Miss deinen echten Verbrauch im Sommer

Alle Richtwerte bleiben Schätzungen. Deinen tatsächlichen Warmwasserverbrauch bekommst du in zwei Wochen heraus, und zwar mit einem Trick, den die Jahreszeit dir schenkt. Im Sommer steht die Heizung still, also geht fast das gesamte Gas ins Warmwasser.

  1. Warte auf eine Phase ohne Heizbetrieb, typischerweise Juni bis August. Prüfe am Thermostat, dass die Heizung wirklich aus ist und nicht nur selten anspringt.
  2. Notiere den Zählerstand in Kubikmetern, zusammen mit dem Datum.
  3. Warte 7 bis 14 Tage. Kürzer ist zu ungenau, weil ein Waschtag oder Besuch durchschlägt.
  4. Lies erneut ab und ziehe den ersten Stand vom zweiten ab. Teile durch die Anzahl der Tage. Das ist dein Warmwasserverbrauch in Kubikmetern pro Tag.
  5. Rechne aufs Jahr hoch, also mal 365. Warmwasser bleibt über das Jahr ungefähr gleich, anders als die Heizung.

Ein Beispiel. Am 1. Juli steht der Zähler auf 4.812 m³, am 15. Juli auf 4.817 m³. Die Differenz beträgt 5 m³ auf 14 Tage, also 0,36 m³ pro Tag. Aufs Jahr sind das rund 130 m³ oder etwa 1.300 kWh. Für zwei Personen ist das ein normaler Wert, er liegt genau in der Mitte der Tabelle oben.

Die Umrechnung von Kubikmetern in Kilowattstunden übernimmt der Umrechner von Kubikmeter in kWh, er braucht nur Brennwert und Zustandszahl von deiner Rechnung.

Zwei Dinge verfälschen die Messung, nämlich ein Gasherd, der ebenfalls am selben Zähler hängt, und eine Zirkulationspumpe, die auch ohne Zapfen Wasser warm hält. Beides erhöht den gemessenen Wert, gehört aber zur Wahrheit dazu, weil du es ja auch bezahlst.

Wie groß ist der Anteil am Jahresverbrauch?

Das hängt fast vollständig davon ab, wie viel die Heizung braucht. Der Warmwasserbedarf bleibt gleich, der Heizbedarf schwankt um ein Vielfaches:

Gebäude, 80 m² Heizung Warmwasser Anteil Warmwasser
Niedrigenergiehaus 4.000 kWh 1.440 kWh rund 26 Prozent
gut gedämmt 8.000 kWh 1.440 kWh rund 15 Prozent
mittlerer Standard 12.000 kWh 1.440 kWh rund 11 Prozent
unsanierter Altbau 16.000 kWh 1.440 kWh rund 8 Prozent

Daraus folgt etwas, das viele überrascht. Je besser dein Haus gedämmt ist, desto wichtiger wird das Warmwasser. Im Niedrigenergiehaus geht rund ein Viertel des Gases ins warme Wasser, im ungedämmten Altbau nicht einmal ein Zehntel. Wer saniert, sollte das Warmwasser also mitdenken, weil es nach der Dämmung zum größten verbliebenen Posten wird.

Noch ein Hinweis zum Gasverbrauch-Rechner. Er schätzt den Warmwasseranteil über die Wohnfläche, weil er die Personenzahl nicht abfragt, und rechnet dabei mit 18 kWh je Quadratmeter. Bei großer Wohnfläche und wenigen Personen fällt seine Schätzung deshalb höher aus als die personenbezogene Tabelle oben. Für den Gesamtverbrauch spielt das kaum eine Rolle, für den Warmwasseranteil allein ist die Personenrechnung die genauere.

Was Warmwasser im Jahr kostet

Gerechnet mit 12 ct/kWh, dem Beispielwert, mit dem wir auch in den anderen Gas-Beiträgen arbeiten:

Haushalt Kosten pro Jahr Kosten pro Monat
1 Person 66 bis 96 Euro 6 bis 8 Euro
2 Personen 132 bis 192 Euro 11 bis 16 Euro
4 Personen 264 bis 384 Euro 22 bis 32 Euro

Der Grundpreis kommt noch dazu, er hängt aber nicht am Verbrauch. Mit deinen eigenen Werten rechnet der Gaskosten-Rechner das aus. Wie sich daraus dein monatlicher Abschlag ergibt, steht im Beitrag Wie hoch sollte der Gasabschlag sein?. Dort geht es um den Gesamtbetrag, hier nur um den Warmwasseranteil darin.

Warmwasser sparen, ohne zu frieren

Der größte Posten ist selten das Duschen selbst, sondern das, was nebenher verloren geht:

  1. Zirkulationspumpe zeitlich begrenzen. Läuft sie rund um die Uhr, hält sie das Wasser in den Leitungen permanent warm und verursacht mehrere hundert Kilowattstunden im Jahr. Eine Zeitschaltuhr für die Morgen- und Abendstunden ändert im Alltag fast nichts und spart spürbar.
  2. Sparduschkopf einbauen. Er senkt den Durchfluss von etwa 12 auf 7 Liter pro Minute. Das sind gut 40 Prozent weniger warmes Wasser, ohne dass der Strahl schwach wirkt.
  3. Duschen statt baden. Ein Vollbad braucht rund 120 Liter, eine Dusche von fünf Minuten je nach Duschkopf 35 bis 60.
  4. Speichertemperatur prüfen, aber nicht zu weit senken. Viele Speicher laufen unnötig heiß. Unter 60 Grad solltest du bei einem Speicher jedoch nicht gehen, weil sich sonst Legionellen vermehren können. Bei einem Durchlauferhitzer ohne Speicher gilt diese Grenze nicht, dort sind 45 bis 50 Grad ausreichend.

Wenig bringt es dagegen, die Therme im Sommer ganz abzuschalten. Warmes Wasser brauchst du weiterhin, und moderne Geräte gehen ohnehin in den Sommerbetrieb.

Fazit

Rechne mit 550 bis 800 kWh Gas je Person und Jahr für warmes Wasser, das sind 55 bis 80 Kubikmeter oder bei zwei Personen rund 160 Euro im Jahr. Schätzen musst du es aber nicht, denn zwei Zählerstände im Sommer, wenn die Heizung ruht, liefern dir deinen echten Wert. Wie viel Gas dein Haushalt insgesamt braucht, schätzt der Gasverbrauch-Rechner aus Wohnfläche, Dämmung und Warmwasser.

Passende Rechner

  • Gasverbrauch schätzen: Gas-Jahresverbrauch nach Wohnfläche und Heizverhalten abschätzen, inkl. Kosten.
  • m³ ↔ kWh (Gas): Gasverbrauch von Kubikmeter in Kilowattstunden umrechnen, mit Brennwert und Zustandszahl.
  • Gaskosten-Rechner: Gaskosten pro Jahr und Monat aus kWh, Arbeitspreis und Grundpreis ermitteln.

Häufige Fragen

Wie viel Gas verbraucht Warmwasser für 2 Personen?

Grob 1.100 bis 1.600 kWh im Jahr, also etwa 110 bis 160 Kubikmeter. Am Zähler entspricht das im Sommer, wenn die Heizung aus ist, ungefähr 0,3 bis 0,44 Kubikmeter am Tag.

Wie viel Gas braucht Warmwasser pro Person?

Rund 550 bis 800 kWh im Jahr je Person, einschließlich der Verluste von Speicher und Zirkulation. Die Spanne kommt vor allem daher, ob täglich geduscht oder gebadet wird.

Wie hoch ist der Anteil von Warmwasser am Gasverbrauch?

Von rund 8 Prozent im unsanierten Altbau bis zu einem Viertel im Niedrigenergiehaus. Je weniger die Heizung schluckt, desto stärker fällt das Warmwasser prozentual ins Gewicht.

Wie messe ich meinen Warmwasserverbrauch selbst?

Im Sommer bei ausgeschalteter Heizung zwei Zählerstände im Abstand von ein bis zwei Wochen ablesen. Die Differenz geteilt durch die Tage ergibt den Tagesverbrauch, der praktisch komplett auf Warmwasser entfällt.

Was kostet Warmwasser über die Gastherme im Jahr?

Bei 12 ct/kWh rund 66 bis 96 Euro je Person im Jahr. Ein Zweipersonenhaushalt zahlt also etwa 132 bis 192 Euro nur für warmes Wasser, dazu kommt der Grundpreis.

Kann ich die Speichertemperatur zum Sparen absenken?

Nur begrenzt. Bei einem Warmwasserspeicher sollten mindestens 60 Grad eingestellt bleiben, sonst können sich Legionellen vermehren. Bei einem Durchlauferhitzer ohne Speicher ist eine niedrigere Temperatur unbedenklich.