Kurz zusammengefasst
- Am 8. März 2026, also gut vier Monate vor Vertragsende, sagte der Rechner eine Gutschrift von 199 Euro voraus. Überwiesen bekam ich am Ende 176,84 Euro.
- Die Abweichung betrug 22,28 Euro oder rund 2 Prozent des Rechnungsbetrags von 1.077,16 Euro. Mit dem Zählerstand vom Vertragsende schrumpfte sie auf 8,05 Euro.
- Der Grund für die Restabweichung war kein Rechenfehler, sondern mein eigener Verbrauch. Er stieg im Frühjahr von 9,11 auf 9,53 Kilowattstunden pro Tag.
- Der Test deckte einen echten Fehler im Tool auf. Es nahm zwölf Abschläge im Jahr an, mein Versorger zieht elf. Das entsprach genau einem Monatsabschlag zu viel, also 114 Euro.
- Seitdem lässt sich die Zahl der Abschläge im Rechner einstellen. Ohne diesen Selbsttest wäre der Fehler nicht aufgefallen.
Ich betreibe diese Seite und nutze den eigenen Rechner für meinen Stromvertrag. Als im Juli 2026 die Jahresabrechnung kam, hatte ich zum ersten Mal die Gelegenheit, Prognose und Wirklichkeit direkt nebeneinanderzulegen. Dieser Beitrag zeigt beides, mit allen Zahlen und auch mit dem Fehler, den ich dabei gefunden habe.
Der Vertrag in Zahlen
Ein gewöhnlicher Stromvertrag mit zwölf Monaten Laufzeit, nichts Besonderes.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Lieferbeginn | 12.07.2025 |
| Abrechnungszeitraum | 12.07.2025 bis 11.07.2026 |
| Arbeitspreis | 27,51 ct/kWh brutto |
| Grundpreis | 152,00 Euro im Jahr, also 12,67 Euro im Monat |
| Monatlicher Abschlag | 114,00 Euro |
| Abschläge im Jahr | 11 |
| Summe der Abschläge | 1.254,00 Euro |
Die meisten Versorger setzen zwölf Abschläge an, einige rechnen mit elf und ziehen im Monat der Jahresabrechnung keinen. Meiner gehört zur zweiten Gruppe. Woran du erkennst, welches Modell für dich gilt, steht in Wird Strom im Voraus bezahlt. Hier geht es darum, was diese eine Zahl für die Hochrechnung bedeutet.

Auszug aus meinen Vertragsdaten. Zählernummer und Marktlokations-ID habe ich abgeschnitten, sie gehören nicht ins Netz.
Die Zwischenprognose im März
Am 8. März 2026 habe ich den Zählerstand erfasst und in den Stromabschlag-Rechner eingetragen. Zu diesem Zeitpunkt lagen zwei Ablesungen vor.
| Datum | Zählerstand | Verbrauch seit Beginn |
|---|---|---|
| 12.07.2025 | 22.930 kWh | Startwert |
| 08.03.2026 | 25.107 kWh | 2.177 kWh in 239 Tagen |
Daraus ergaben sich 9,11 Kilowattstunden pro Tag, im Schnitt also 277 Kilowattstunden im Monat. Hochgerechnet auf das Vertragsjahr waren das rund 3.288 Kilowattstunden. Der Rechner zeigte daraufhin eine voraussichtliche Gutschrift von 199 Euro an.

Die Anzeige mit dem Stand vom 8. März. Der Screenshot stammt aus dem heutigen Rechner, denn die Auswahl der Abschlagszahl gab es im März noch nicht. Die Zahlen sind dieselben.
Vier Monate vor Vertragsende zeichnete sich damit ab, in welche Richtung es geht. Für mich war das die eigentlich nützliche Information, denn eine Nachzahlung hätte ich zu diesem Zeitpunkt noch abfedern können, indem ich den Abschlag erhöhe.
Die Abrechnung im Juli
Die Jahresabrechnung wies für den Zeitraum vom 12.07.2025 bis 11.07.2026 einen Rechnungsbetrag von 1.077,16 Euro aus. Dem standen 1.254,00 Euro gezahlte Abschläge gegenüber. Erstattet wurden 176,84 Euro.

Die Zusammenfassung meiner Jahresabrechnung für den Zeitraum vom 12.07.2025 bis 11.07.2026.
Damit lässt sich die Prognose gegen die Wirklichkeit stellen.
| Stand | Datenbasis | Ergebnis | Abweichung |
|---|---|---|---|
| Prognose 08.03.2026 | 2.177 kWh in 239 Tagen | 199,12 Euro | 22,28 Euro |
| Prognose 08.07.2026 | 3.340 kWh in 361 Tagen | 184,89 Euro | 8,05 Euro |
| Abrechnung des Versorgers | tatsächlicher Verbrauch | 176,84 Euro | - |
Gemessen am Rechnungsbetrag von 1.077,16 Euro sind das 2,1 Prozent im März und 0,7 Prozent am Vertragsende. Je aktueller der letzte Zählerstand, desto näher rückt die Schätzung an die Abrechnung heran.
Woher die Abweichung kam
Die Restabweichung geht nicht auf einen Rechenfehler zurück, sondern auf mich. Eine Hochrechnung schreibt den bisher gemessenen Verbrauch fort, und meiner blieb nicht konstant.
- Bis zum 8. März verbrauchte ich 9,11 kWh pro Tag.
- Zwischen März und Juli waren es 9,53 kWh pro Tag.
Der Rechner ging im März also von einem etwas sparsameren Jahr aus, als es tatsächlich wurde. Genau deshalb fiel die vorhergesagte Gutschrift höher aus als die spätere Erstattung. Wer über den Winter viel und im Sommer wenig verbraucht, kennt den Effekt in die andere Richtung.
Daraus folgt eine schlichte Regel. Eine Prognose ist immer nur so gut wie die Annahme, dass es so weitergeht wie bisher. Sie ersetzt keine Abrechnung, aber sie sagt dir früh, ob du auf eine Nachzahlung oder eine Gutschrift zusteuerst.
Der Fehler, den dieser Test aufgedeckt hat
Der erste Blick in den Rechner zeigte etwas anderes. Dort stand eine Gutschrift von rund 300 Euro, also gut 120 Euro über dem, was tatsächlich kam. Diese Lücke war zu groß, um sie mit Verbrauchsschwankungen zu erklären.
Und so kam ich darauf. Die Summe meiner Abschläge betrug 1.254 Euro. Geteilt durch elf ergibt das glatte 114 Euro, geteilt durch zwölf krumme 104,50 Euro. Mein Versorger hatte also elf Abschläge gezogen, das Tool aber mit zwölf gerechnet. Die Differenz war exakt ein Monatsabschlag.
| Rechenweg | Summe Abschläge | Prognose |
|---|---|---|
| 12 Abschläge (Annahme des Tools) | 1.368,00 Euro | rund 299 Euro |
| 11 Abschläge (tatsächlich) | 1.254,00 Euro | 184,89 Euro |
Der Fehler war systematisch und hätte jeden getroffen, dessen Versorger im Abrechnungsmonat keinen Abschlag zieht. Behoben ist er inzwischen. Im Rechner lässt sich die Zahl der Abschläge auswählen, und unter dem Ergebnis steht seitdem, wie hoch die Gutschrift mit der jeweils anderen Zahl ausfiele. Genau diese Zeile hätte mir die Abweichung erspart.
Diesen Fehler hätte ich mit Testdaten nie gefunden. Er fiel nur auf, weil eine echte Abrechnung danebenlag.
Was du daraus mitnehmen kannst
- Prüf die Zahl deiner Abschläge, bevor du irgendetwas hochrechnest. Teile die Summe der Abschläge aus der letzten Abrechnung durch elf und durch zwölf. Welche Rechnung einen glatten Betrag ergibt, verrät dir das Modell deines Versorgers.
- Lies mindestens einmal zwischendurch ab. Ein Zählerstand nach etwa acht Monaten reichte bei mir für rund 2 Prozent Genauigkeit. Am Vertragsende ist es für Korrekturen zu spät.
- Rechne mit Bewegung. Steigt oder fällt dein Verbrauch nach der letzten Ablesung, wandert das Ergebnis mit. Deshalb lohnt sich jeder weitere Zählerstand, denn er verkürzt die Strecke, die hochgerechnet werden muss.
- Nimm die Zahl als Richtung, nicht als Zusage. Für die Frage „Nachzahlung oder Gutschrift“ lag die Prognose bei mir vier Monate im Voraus richtig. Der Betrag auf den Euro genau stand erst mit der Abrechnung fest.
Fazit
Vier Monate vor der Abrechnung 199 Euro geschätzt und am Ende 176,84 Euro erhalten. Für eine Hochrechnung aus zwei Zählerständen halte ich das für ein brauchbares Ergebnis, und die Richtung stimmte von Anfang an. Bemerkenswerter finde ich, dass derselbe Test einen Fehler von 114 Euro im eigenen Rechenmodell zutage gefördert hat. Wenn du wissen willst, worauf dein Vertrag zusteuert, brauchst du zwei Zählerstände und zwei Minuten im Stromabschlag-Rechner. Achte dabei auf die Zahl deiner Abschläge, das ist der Punkt, an dem es bei mir gehakt hat.